Philipp v. Seitz: Marienleben

Abfassung durch den aus dem norddeutschen Raum stammenden Autor am Anf. des 14. Jh. im untersteir. Kartäuserkloster Seitz; vollständige Überlieferung in 10133 Versen; mit 102 Überlieferungsträgern der Versfassung u. 22 Hss mit Prosa-Auflösung die erfolgreichste Reimpaardichtung des Mals; 'verlagstechnische' Besonderheit durch spätere Widmung an den Deutschen Ritterorden als Auftraggeber von Abschriften; Bruder Philipp zog hernach in das (niederösterr.) Kloster Mauerbach; Inhalt: (ähnlich wie im Grazer Marienleben, aber ausführlicher u. angereichert um die Kindheit Jesu) Joachim u. Anna; Maria als 'Wunderkind'; heiratsfähig mit 15 Jahren; Verehehlichung mit betagtem, von Gott auserwähltem Joseph; Ohr-Empfängnis Jesu; Jesu Geburt mit astrologischen Wunderzeichen in Rom; 'Krippenidylle' (vgl. dazu ein Faksimile aus dem illustrierten Grazer Fragment des 15. Jhs); wundersame Kindheitsgeschichten Jesu, der u.a. aus Ton lebendige Vögel formt und damit den Unmut der jüdischen Glaubensgemeinde erregt (2. Faks. aus dem Grazer Fragm.); Soliloquium des herangewachsenen Jesus mit seiner 'gelehrten' Mutter: bibelkundliches 'Frage-Antwort-Spiel'; der erwachsene, wundertätige Heiland; Anklage, Kreuzigung, Grablegung, Himmelfahrt; Maria wieder im Mittelpunkt: betreut Jünger, verkündet die Heilslehre, betätigt sich als Wunderheilerin; besonders innig visualisierte Himmelfahrt Mariä
Besonderheiten der Dichtung: erzähltechnisch an neuen Prosastil angenäherte Verse; emotional packende Vergegenwärtigung der rahmenden Marien- u. der darin eingebetteten Jesugeschichte; Entwurf eines 'Heilsgebäudes'; emotionaler Tiefgang; geschickte Verquickung zahlreicher, auch apokrypher Quellen, darin eingewoben vermutlich auch das Grazer Marienleben sowie Christi Hort des Gundacker von Judenburg; Nachwirkung des Marienlebens z.B. in der Weltchronik-Literatur