AGGRESSION UND KATHARSIS

Der Erste Weltkrieg im Diskurs der Moderne

Internationales Symposion des Grazer Spezialforschungsbereichs
"Moderne - Wien und Zentraleuropa um 1900"

18.-20. Oktober 2001


Universität Graz (Resowi-Gebäude)
Eintritt frei

Organisation: Petra Ernst (Germanistik) (0043-316-389-1162), Sabine Haring (Soziologie) (0043-316-380-7079), Werner Suppanz (Zeitgeschichte) (0043-316-380-8075).

Die gegenwärtige Konjunktur der Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg macht eine Reihe von Fragen bewusst, die für die kulturwissenschaftliche Moderneforschung von grundsätzlicher Bedeutung sind. Jenseits des "goldenen Mythos" der Moderne, der sich in oft unkritischer Fortschrittsgewissheit äußerte, und des "schwarzen Mythos", der deren destruktive Seiten in den Vordergrund stellt, gilt es, sich mit dem Verhältnis zwischen Modernität und Krieg auseinander zu setzen.

In diesem Symposium soll in interdisziplinärer Weise die vielfache Codierbarkeit des Ersten Weltkriegs aus zeitgenössischer und modernetheoretischer Sicht erörtert werden. Dabei soll der "Große Krieg" als Modell für primär zweierlei Codierungen der Moderne betrachtet werden: Moderne einerseits als "große Erzählung" vom Fortschritt, als Weg in eine Zukunft ohne Krieg und Unterdrückung, und andererseits als Modernisierung im Sinne einer Effizienzsteigerung und Rationalisierung, nicht zuletzt von Gewalt. Diese Tendenz erweist sich als vereinbar mit Diskursen, die den Krieg als "moderne Suche nach einer anderen Moderne" (Hans Joas), d. h. frei von "Dekadenz", "Nervosität" oder "Überfeinerung", idealisierten. Vorstellungen vom "Kulturkrieg", vom Krieg zwischen "Kultur" und "Zivilisation", wie sie Politiker, Intellektuelle und Künstler in verschiedenster Form zum Ausdruck brachten, waren stark von diesen Konzepten geprägt.

Ausgehend von diesen Grundannahmen soll der Erste Weltkrieg aus der Perspektive der aktuellen Modernetheorie diskutiert sowie durch Beiträge zur zeitgenössischen Wissenschaft und Philosophie, zur Literatur, zu den Künsten sowie zu den politischen Diskursen dessen kulturwissenschaftliche Deutung in besonderer Art und Weise betont werden. Dabei soll die Konzentration auf Zentraleuropa die Diskussion von Fragestellungen der kulturwissenschaftlichen Weltkriegsforschung, die bisher schwerpunktmäßig auf das Deutsche Reich und Westeuropa angewandt wurden, auch für diesen Raum intensivieren



PROGRAMM

DONNERSTAG, 18.10. 2001

9.00 ERÖFFNUNG

9.45 – 10.35 HANS JOAS (Berlin/Chicago):
Kontingenzbewusstsein. Der Erste Weltkrieg und der Bruch im Zeitbewusstsein der Moderne

KAFFEEPAUSE

11.05 – 11.55 BARBARA BESSLICH (Freiburg):
Hermann Bahrs "Ideen von 1914"

11.55 – 12.45 WOLFGANG NEHRING (Los Angeles, CA):
Die Suche nach einem höheren Selbst: zu Hugo von Hofmannsthals Kriegsprosa


MITTAGSPAUSE


14.30 – 15.20 PETER STACHEL (Wien):
"Die nüchterne Erkenntniskritik hat vorläufig zu schweigen". Fritz Mauthners "Wortwaffen" und der Erste Weltkrieg

15.20 – 16.10 KATHARINA SCHERKE (Graz):
Aby M. Warburg und der Erste Weltkrieg

KAFFEEPAUSE

16.30 – 17.20 KARIN WILHELM (Braunschweig):
Der Schock des Ersten Weltkrieges – Friedensstadtmodelle oder die "Auflösung der Städte"

17.20 – 18.10 PETER WILDING (Graz):
Technisierung des Krieges/Krieg der Ingenieure


BUFFET


19.30 Lesung: August Stramm – ausgewählte Texte



FREITAG, 19.10. 2001

9.00 – 9.50 HEIDRUN ZETTELBAUER (Graz):
"Die Liebe sei euer Heldentum..." Krieg und Geschlecht im deutschnationalen Diskurs

9.50 – 10.40 HANS-GEORG HOFER (Freiburg):
Effizienzsteigerung und Affektdisziplin. Der moderne Soldat und die "ärztliche Kriegswissenschaft"

KAFFEEPAUSE

11.00 – 11.50 ANTON KAES (Berkeley, CA):
Der Erste Weltkrieg als Trauma im Kino des Expressionismus

11.50 – 12.40 BETTINA RABELHOFER (Graz):
Anarchie und Eros. Psychoanalytische und literarische Annäherungen an seelische Kriegsschauplätze


MITTAGSPAUSE


14.30 – 15.20 GABRIELA KILIÁNOVÁ (Bratislava):
Der Erste Weltkrieg aus der mikrosozialen Perspektive: erlebt und erzählt

15.20 – 16.10 PIERRE DE TRÉGOMAIN (Paris):
Die Siebenbürger Sachsen und der Erste Weltkrieg: Erfahrung der Moderne

KAFFEEPAUSE

16.30 – 17.20 MARTINA NUßBAUMER (Graz):
Musik im "Kulturkrieg". Politische Funktionalisierung von Musikkultur 1914–1918

17.20 – 18.10 MARION SCHMID (Edinburgh):
Moderne und Reaktion im Frankreich des Ersten Weltkrieges: Der Fall Richard Wagner


19.00 Empfang der Stadt Graz (im Rathaus)



SAMSTAG, 20.10. 2001

9.00 – 9.50 PETER REVERS (Salzburg/Graz):
"Die gelbe Gefahr": Mythos einer Gefährdung der westlichen Zivilisation durch den Fernen Osten und dessen Niederschlag im Musikschaffen des frühen 20. Jahrhunderts

9.50 – 10.40 DOMINIK SCHWEIGER (Wien):
Befreiung und Abwehrkampf. Leoš Janácek, Anton Webern und der Weltkrieg

11.15 Uhr KAFFEEPAUSE

11.00 – 11.50 GERHARD HIRSCHFELD (Stuttgart):
Kriegserlebnis, Mentalität und Erinnerung: Der Erste Weltkrieg in der neueren Geschichtsschreibung

11.50 – 12.40 TONI THOLEN (Frankfurt/Main):
Im Angesicht des Todes. Die Anwesenheit des Ersten Weltkriegs im postmodernen Denken

12.40 – 13.00 Résumé





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Land Steiermark
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