Positivismus in der österreichischen Philosophie

Ein historischer Blick auf die frühe Positivismusrezeption


Von Johannes Feichtinger


This article analyzes the early reception of positivism in Austria from an historical perspective. On the one hand, the government had supported the supremacy of the church in the age of neo-absolutism (1850s), on the other, it had implemented a politically controlled anti-metaphysical and formally oriented philosophy. This authoritarian state policy was mainly responsible for the subsequent intellectual change. What the intellectual politicians had tried to prevent insistently through political pressure should become reality shortly thereafter. At the dawn of the age of the liberal bourgeoisie, a new style of philosophical thinking emerged in Austria. In the decades following, positivism would provide the primary basis for philosophical and scientific analysis.



Seit den 1860er Jahren bildete die Haupt- und Residenzstadt Wien neben Berlin und Leipzig eines der bedeutendsten Zentren positivistischen Denkens im deutschsprachigen Raum. (1) Der Positivismus versteht sich als eine mit dem älteren Empirismus verbundene wissenschaftliche Strömung, die das Analyseobjekt auf jene Tatsachen beschränkt, die der Mensch sinnlich zu erfassen, zu beschreiben und zu ordnen vermag. Diese erfahrbaren Tatsachen werden auf ihre Gesetzmäßigkeit untersucht. Ihr Wesen (Essenz) und ihre Ursachen verbannt der Positivismus aber in das Reich der Metaphysik. Sie sind für ihn ohne epistemologischen Wert. Die Metaphysikkritik ist eines der Hauptcharakteristika jener neuen Strömung die ihren Ausgang von Frankreich nahm. Ihr bedeutendster Verbreiter war August Comte. In Österreich rekrutierten sich die frühen Anhänger des Positivismus aus einer sich emanzipierenden bürgerlichen Schicht. Ihrer politischen Ausrichtung nach liberal und deutsch, profilierte sich diese soziale Gruppierung als Verfechter eines stark zentralisierten Verfassungsstaats. Schon während des Neoabsolutismus (1851–1860) stellte sie eine mit Adel und Kirche rivalisierende Macht dar. Der konservative Adel, der für einen föderativen Staat kämpfte, um sich seine Macht in den Provinzen zu bewahren, galt für viele als Sinnbild autokratischer Unterjochung des Individuums. Im Jahr 1855 hatte die Kirche durch den Abschluss des Konkordats mit dem Papst eine neue Vormachtstellung erreicht. Die klerikale Hegemonie entsprach zwar den Vorstellungen des autoritären „Ministeriums Bach“ (1852–1859), da der Katholizismus eine den Vielvölkerstaat umschließende Klammer bildete, aber den Liberalen war das Konkordat zutiefst verhasst. Umgekehrt sah die Kirche durch den „nationalen“ Liberalismus ihre Fundamente bedroht. Die weltanschauliche Kluft zwischen ihnen vergrößerte sich noch zusehends, als sich die deutschliberale Intelligenz verstärkt dem positivistischen Programm zuwandte. Dieses versprach Modernität durch die Befreiung des Individuums von kirchlicher Bevormundung, durch die Zurückweisung jeglicher Metaphysik sowie durch die Anpassung der Gedanken untereinander und an die Tatsachen. Der Positivismus lieferte auch Argumente, durch die sich der Antisemitismus bekämpfen ließ. Schließlich sollte in ihm auch das Wissenschaftssystem, das sich rasant vergrößerte, ausdifferenzierte und arbeitsteilig organisierte, nützliche Anleihen finden.


Der Positivismus stößt auf die Ablehnung der Kirche


Die Vermittlung positivistischen Gedankenguts verlief allein aufgrund der Spannungen zwischen der Kirche und der liberalen Bourgeoisie nicht reibungslos, im Gegenteil: Zwangsläufig stieß der Positivismus auf erhebliche Widerstände, erhoben doch seine Vertreter gleich jenen der Kirche Anspruch auf das Weltauslegungsprimat. (2) Sich vom göttlichen Sinnzentrum abwendend, suchten die Positivisten nach dem innerweltlichen Sinn, der ihnen als wissenschaftlich erkenn- und beweisbar galt. Im Gegenzug erkannte die Kirche in der Wissenschaftslehre des Positivismus eine Gefahr für die Christenheit, war doch das positivistische Leitmotiv der Gesetzeserkenntnis aus theologisch-klerikaler Sicht für die Sinnentleerung der Welt hauptverantwortlich. Da sich in den 1850er Jahren das katholisch-restaurative Klima in Österreich zusehends verschärfte, waren die offiziell-politischen Vorzeichen für die Aufnahme des Positivismus zunächst negativ, dennoch sollte er im österreichischen Wissenschaftssystem auch so manche Leerstellen vorfinden, die er ausfüllen konnte; und das auf seinem ureigensten Gebiet: der Philosophie.


Thun und die Philosophie


Als in Österreich mit der großen Thun’schen Unterrichtsreform (1848/49–1853/55) der verbindliche und fächerübergreifende philosophische Vorstudienlehrgang abgeschafft wurde, büßte die Philosophie ihren Stellenwert als Grundlagenwissenschaft zusehends ein. Der Unterrichtsminister Leo Graf Thun-Hohenstein war vor einer Aufwertung dieser ihm als gefährlich erscheinenden Wissenschaft zurückgewichen. (3) Die Philosophie rangierte künftig als eine selbständige Disziplin innerhalb der philosophischen Fakultäten. Zur neuen disziplinübergreifenden Grundlagenwissenschaft avancierte die Geschichte. Die „Disziplinierung“ der Philosophie zu einem akademischen Fach zeigte sich u. a. darin, dass die Rechtsphilosophie durch den Ministerialerlass vom 13. September 1854 mit Anfang des Studienjahres 1854/55 als Staatsprüfungsgegenstand abgeschafft wurde. (4) Thun war überzeugt, dass das Recht dem geoffenbarten göttlichen Willen entspringe, während die Vernunft keine Glaubens- und auch keine Rechtsdogmen hervorbringen konnte. (5) In der Tat waren Thun das Naturrecht und seine Philosophie zutiefst verhasst. Seinen Vorstellungen entsprach vielmehr die historische Grundlegung des Rechts in Gestalt der deutschen und künftig der österreichischen Reichs- und Rechtsgeschichte. Thuns Ziel bestand darin, die österreichische Jurisprudenz an deutsche Verhältnisse anzugleichen. In Deutschland hatte das Naturrecht unter jüngeren Juristen keinen Anklang mehr gefunden, bald sollte es auch in Österreich den historisch-juridischen Fächern weichen. Da sich aus den Abgängern des juridischen Studiums traditionell die Staatsbeamten rekrutiert hatten, erschien der Staatsmacht die Vermittlung naturrechtlicher Philosophie als besonders gefährlich und daher entbehrlich. (6)
Im Jahr 1853 verkündete Thun in einer amtlichen Denkschrift unverhüllt seine ablehnende Haltung gegenüber den zu seiner Zeit vorherrschenden Philosophien. Hierfür war seine tief katholische und konservative Grundposition sicher ebenso verantwortlich wie der Einfluss seiner deutschen juristischen Ratgeber Karl Ernst Jarcke und George Philipps. Sie erkannten allein „das lebendig Positive“ und dessen historisch-genetische Ergründung als Grundlage der Wissenschaft an, (7) gegenüber den philosophischen Strömungen der Zeit hegten sie aber eine tiefe Abneigung. Thun bezeichnete sogar die Philosophie Herbarts als „Monstrosität und Ausartung des menschlichen Geistes.“ (8) Nur eine mit der kirchlichen Lehre positiv harmonierende Philosophie könne sich frei und freudig begeistert und lebenskräftig an Österreichs katholischen Universitäten bewegen: „Eine Philosophie, welche die öffentliche Anerkennung der Wissenschaft und der Kirche zugleich genießt, existiert noch nicht.“ (9) Daher sei es die Aufgabe des Ministeriums, so Thun, jeden „Anstoß gegen die Offenbarung zu verhindern oder zu unterdrücken.“ (10) Der Minister unterwarf den philosophischen Unterricht, den er verdächtigte, Staat und Kirche subversiv zu unterhöhlen, künftig bewusst strikter Kontrolle. Dem Staat erschienen vor allem die Anhänger des ideologisch verfänglichen Idealismus suspekt; als unbedingt staatsgefährlich galt die Verbreitung der Philosophie Hegels. Im Vormärz hatten die Anhänger seiner Philosophie gelegentlich noch an den österreichischen Universitäten Fuß zu fassen vermocht, da die damalige Hochschulpolitik eine wirksame Gesinnungskontrolle vermissen ließ, (11) in der Ära Thun (1849–60) erreichte die Maßregelung der Hegelianer ihren Höhepunkt. Mitunter wurden sie sogar ihrer Stellen enthoben, ein Schicksal, das unter anderem den Prager Professor Johann Ignaz Hanuš 1852 ereilte. (12)


Rudolf von Eitelberger: ein Vorkämpfer für die Philosophie


Angesichts dieser Zurücksetzung der Philosophie appellierte Rudolf von Eitelberger, der nach all diesen Reformen um den Stellenwert der Philosophie in Österreich besorgt war, in seinem ausführlichen Memorandum Uiber Geschichte der Philosophie und ihre Bedeutung für Universitäten (1855) (13) an den Minister Thun für eine Duldung der Philosophie. Im Besonderen warnte er vor ihrer Ausschaltung aus dem Rechtsunterricht. Eitelberger war mit der Philosophie und dem Recht zutiefst vertraut, auch hatte er sich eingehend mit Hegel befasst und Vorlesungen zur Phänomenologie des Geistes, der Hegel’schen Logik und der Theorie der Ästhetik gehalten. (14) Bald wandte sich Eitelberger der kunstgeschichtlichen Forschung zu, als deren Begründer er in Österreich gilt. (15) In dem Memorandum heißt es, dass neuerdings die historischen, naturwissenschaftlichen und andere mehr oder minder positive Studien die Philosophie in ihrer Hegemonie, welche sie früher allein beansprucht habe, abgelöst hätten: Habe damit die Philosophie aber aufgehört zu sein? „Mit Nichten!“, (16) so die lapidare Antwort Eitelbergers. Die Philosophie habe zwar erfahren, „dass sie nicht über allen dominierend und tonangebend stehen“ (17) könne, sie gewinne jedoch ihre selbständige Stellung neben den anderen Wissenschaften wieder, da sie sich doch des Einflusses nicht erwehren könne, den in dieser Beziehung die positiven Wissenschaften auf sie ausüben würden. Wenngleich die Zukunft den historischen, philologischen und Naturwissenschaften gehören würde, habe die Philosophie ihre bildende, erziehende Kraft keineswegs verloren, könnten doch die Probleme, die in den Naturwissenschaften, der Jurisprudenz und Theologie auftauchen, nur durch ein „philosophisch gebildetes Denken“ (18) bewältigt werden. Der devote Kniefall vor der Kirche würde jedoch die Schulung jedweder wissenschaftlichen Kritikfähigkeit vereiteln und eine Einseitigkeit in der geistigen Entwicklung der Menschen hervorrufen: Würde die Philosophie demnach künftig nicht geduldet, so Eitelberger, wäre dem „Materialismus“ Tür und Tor geöffnet. Warnungen dieser Art fanden bei Thun aber kein Gehör. So konnte Hans Lentze, der Historiker der österreichischen Schulreform der 1850er Jahre, über Thuns Rolle in Bezug auf das Aufkommen des Positivismus in Österreich wie folgt urteilen: „Mit klarem Blick hat es Eitelberger also erkannt, dass Thun durch seine philosophiefeindliche Politik zum Wegbereiter des Positivismus wurde.“ (19)


Die österreichische Art zu philosophieren


Sich der gefahrvollen Rolle der Philosophie bewusst, verankerte der Unterrichtsminister Thun unter tatkräftiger Mitwirkung seines Vertrauten Franz Serafin Exner schließlich eine an den österreichischen Universitäten mit dem Katholizismus vereinbare „Staatsphilosophie“. Er berief sich dabei auf eine Tradition, dank der sich die akademische Philosophie schon seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert von den zur gleichen Zeit in Deutschland vorherrschenden Auffassungen unterschieden hatte. (20) Hatte sich die akademische Philosophie in Deutschland mit Immanuel Kant und der vermeintlich auf ihm aufbauenden idealistischen Philosophie (Fichte, Schelling, Hegel) von der Leibniz’schen Philosophie abgewandt, bestand der verbindliche philosophische Kanon in Österreich in einer umfassend modifizierten Version der Leibniz-Wolff’schen Philosophie. So lieferte eine vom Vorwurf des Atheismus befreite österreichische Ausprägung des Herbartianismus das Vorbild für die sich in der Ära Thun ausbildende und in den Schulen systematisch vermittelte „Staatsphilosophie“. Diese beruhte auf einer objektivistisch-realistischen Tradition und sie stand in schroffer Opposition zur idealistisch-spekulativen Philosophie. (21) In ihr beanspruchten objektiv existierende Sätze, Begriffe und Wahrheiten Allgemeingültigkeit, Vernunftwahrheiten standen über jeglicher empirischer Erkenntnis. Aus der Sicht der Staatsmacht vermochte diese Philosophie, die vom erkennenden Subjekt, das sich national codieren ließ, bewusst absah, zwischen den Kulturen ausgleichend und stabilisierend zu wirken. (22) Als Motor der Vereinheitlichung besaß sie staatspolitischen Wert. Auch ließ sie sich reaktionär interpretieren. Sie stützte das dynastisch-autoritäre politische System und die sozialen Hierarchien durch die Vorstellung, dass das Universum vernunftmäßig rational geordnet wäre. Die Vernunft lieferte die Mittel zur Wahrheitsfindung und zur Bestimmung dessen, was für die Einzelnen und das Gemeinwohl das Beste sei. Hier trifft zu, was Karl Pribram über das Vertrauen in die Macht der Vernunft sagte: In der Tat diente dieses Vernunftvertrauen auch als ein Mittel zur Aufrechterhaltung einer autoritären (im gegebenen Fall einer neoabsolutistischen) Staats- und Gesellschaftsordnung. (23) In den 1860er und frühen 1870er Jahren sollte diese Staatsphilosophie, die ihre besondere Ausprägung in formal-logischen Argumentationsverfahren, in formalen Ästhetikauffassungen und objektivistisch-ethischen Vorstellungen erfuhr, große Wirkmächtigkeit erreichen. In Wien war der einflussreiche Ästhetikprofessor und Philosoph Robert Zimmermann, dem so mancher „Schulreformer“ der Thun’schen Ära gewogen war, zu einem Aushängeschild dieser Philosophie avanciert.


Der unaufhaltsame Aufstieg des Positivismus


Alsbald erfasste aber der Zug der Zeit die Universitäten, und Eitelbergers Prognose, dass eine Philosophie, die unter staatlich-klerikaler Kuratel stand, dem Positivismus Tür und Tor öffnen musste, traf demnach in der Tat ein. Im sich anbahnenden bürgerlichen Zeitalter ließ sich eine von abstrakten Vernunftprinzipien beherrschte objektivistische Tradition, die zwar den Schutz des Staatswesens vorgab, zugleich aber auch autoritär-hierarchische Herrschaftsstrukturen zu legitimieren vermochte, nicht länger aufrecht erhalten. Allmählich verwandelten sich auch die Universitäten zu antiklerikalen und liberalen Hochburgen. (24) Dieser Wandel lässt sich auch auf die liberale Ausrichtung vieler jüngerer Professoren zurückführen, die aus Deutschland berufen worden waren. Zunehmend fasste der Positivismus auch in der österreichischen Jurisprudenz Fuß, aber auch die historischen, philologischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen verfuhren alsbald empirisch-positivistisch. Die Verfügbarkeit dieser modernen Verfahren ließ die von Robert Zimmermann und Co. repräsentierte nicht-spekulative, auf formale Analysen zugespitzte Wissenschaft bald als unzeitgemäß und verstaubt erscheinen, sah diese doch von empirischen Analysen im modernen Sinne geflissentlich ab. Zimmermann hatte sich vielmehr auf die Aufdeckung von überzeitlichen objektiv-formalen Eigenschaften beschränkt. Auch ließ die Abkehr vom Herbartianismus in der österreichischen Philosophie nicht lange auf sich warten. Sie erfolgte mit dem Anbruch der liberalen Ära, zeitgleich mit der Auflösung der Verbindung von Thron und Altar (dem Konkordat). Der Verfasser der Psychologie vom empirischen Standpunkt (1874), (25) Franz Brentano, der im Jahr 1874 als Philosophieprofessor nach Wien berufen worden war, stufte den Herbartianismus in seiner Vorlesung zur Psychologie und Ästhetik, die er im Wintersemester 1885/86 abhielt, schon als wissenschaftlich überholt ein, (26) und für Theodor und Heinrich Gomperz war sein österreichischer Statthalter Zimmermann nichts anderes als ein „absurdes“ Relikt einer vergangenen Epoche der Philosophie. (27) In der österreichischen Universitätsphilosophie trat der Positivismus schließlich in den 1880er Jahren durch Friedrich Jodl, Adolf Stöhr und Richard Wahle als wegweisende Strömung hervor, (28) im darauf folgenden halben Jahrhundert sollte er eine tief greifende Ummodellierung der Wissenschaftslandschaft in Österreich bewirken. (29) Ernst Mach, der als Physiker im Jahr 1895 auf den dritten Lehrstuhl für Philosophie berufen wurde, sollte von der objektivistisch-formalen Analysetradition keine Notiz mehr nehmen. Mit Mach erreichte der Positivismus in der österreichischen Philosophie auch den Höhepunkt seiner Strahlkraft, um sich schließlich im Wiener Kreis durch die Verbindung mit der neuen Logik zu erneuern. Mach war in der letzten Regierung, in der die Deutschliberalen entscheidenden Einfluss hatten, auf seinen Wiener Lehrstuhl berufen worden. Wie sehr die deutschliberale Intelligenz dem Positivismus verpflichtet blieb, zeigt sich darin, das auch an der Berufung Machs ein anderer Deutschliberaler, Theodor Gomperz, tatkräftig mitgewirkt hatte. (30)



(1) Zu jenen spezifischen Machtstrukturen, die dafür mitverantwortlich waren, dass der Positivismus (als wissenschaftliches Programm und politische Strömung) in Österreich/Zentraleuropa auffällig früh besonderen Anklang fand, vgl. Johannes FEICHTINGER, Der frühe Positivismus als wissenschaftliches Programm und machtpolitische Strömung in Österreich/Zentraleuropa. – Zu einem Beispiel von Wissenstransfer, in: Helga MITTERBAUER, Katharina SCHERKE, Monika HOLZER (Hg.), Entgrenzte Räume. Kulturelle Transfers um 1900 und in der Gegenwart, Wien 2004 (Studien zur Moderne 22) [in Druck].
(2) Vgl. Bernard PLÉ, Die „Welt“ aus den Wissenschaften. Der Positivismus in Frankreich, England und Italien von 1848 bis ins zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Eine wissenssoziologische Studie, Stuttgart 1996, 145.
(3) Vgl. Taras von BORODAJKEWYCZ, Aus der Frühzeit der Wiener Schule der Kunstgeschichte, in: Karl OETTINGER, Mohammed RASSEM (Hg.), Festschrift für Hans Sedlmayr, München 1962, 321-348, hier 345.
(4) Die Philosophie wurde in Österreich auch aus dem Unterricht für Mediziner ausgeschieden. Vgl. Hans LENTZE, Die Unterrichtsreform des Ministers Graf Leo Thun-Hohenstein, in: Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse, Band 2, 2: Abhandlung, Wien 1962 (Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts 7), 252.
(5) Vgl. hierzu und im Folgenden die umfassende und ausführliche Darstellung von Walter HÖFLECHNER, Die Auswirkungen politischer und kultureller Veränderungen auf Forschungsorientierung und Wissenschaftsorganisation, in: Karl ACHAM (Hg.), Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften, Band 1: Historischer Kontext, wissenssoziologische Befunde und methodologische Voraussetzungen, Wien 2000, 149-214, hier 162 f. – Thun stand offenbar der Naturrechtsauffassung der katholischen Kirche nahe, die auf der Offenbarung beruhte und von dem Vernunftrecht verschieden war. Die an Immanuel Kant ausgerichtete naturrechtliche Rechtsphilosophie hatte bis in das Jahr 1848 die Grundlage für das juridische Studium in Österreich abgegeben.
(6) Vgl. Peter GOLLER, Naturrecht, Rechtsphilosophie oder Rechtstheorie? Zur Geschichte der Rechtsphilosophie an Österreichs Universitäten (1848–1945), Frankfurt/Main [u. a.] 1997 (Rechts- und sozialwissenschaftliche Reihe 18), 61-80.
(7) Vgl. LENTZE, Die Unterrichtsreform des Ministers Graf Leo Thun-Hohenstein, 94.
(8) Ebda, 251.
(9) Ebda, 217. – In seinem ausführlichen Memorandum Uiber Geschichte der Philosophie und ihre Bedeutung für Universitäten (1855) verweist Rudolf von Eitelberger eingehender auf die in jüngerer Zeit in Österreich vorherrschenden philosophischen Schulen: die Günther’sche Philosophie, die Herbartianer und die Bolzanisten. Vgl. BORODAJKEWYCZ, Aus der Frühzeit der Wiener Schule der Kunstgeschichte, 339 f.
(10) LENTZE, Die Unterrichtsreform des Ministers Graf Leo Thun-Hohenstein, 217.
(11) Vgl. ebda, 122.
(12) Zu dessen Nachfolger als Philosophieprofessor in Prag wurde Robert Zimmermann ernannt. Sogar der mit Thun befreundete Leopold Hasner (der spätere liberale Unterrichtsminister) wurde wegen seiner Ansichten, hinter welchen anscheinend ein Hegelianismus gewittert wurde, von der Prager Professur der Rechtsphilosophie auf die der politischen Ökonomie versetzt. Vgl. Leopold von HASNER, Denkwürdigkeiten. Autobiographisches und Aphorismen, Stuttgart 1892, 58.
(13) Vgl. Thun-Nachlass D 335, auszugsweise abgedruckt in: BORODAJKEWYCZ, Aus der Frühzeit der Wiener Schule der Kunstgeschichte, 335-346 und wiedergegeben durch LENTZE, Die Unterrichtsreform des Ministers Graf Leo Thun-Hohenstein, 250-257.
(14) Rudolf von Eitelberger verkehrte in deutschliberalen Kreisen, insbesondere war er mit Theodor Gomperz befreundet. Obwohl er im September 1848 die politische Redaktion der Wiener Zeitung übernommen hatte, blieb ihm Thun wohlgesinnt. Unversöhnlicher gab sich Joseph Alexander von Helfert, der Eitelberger nicht nur als liberal, sondern als „außerordentlich radikal“ einstufte und seine „überdeutsche“ Gesinnung noch nachträglich tadelte. Vgl. Joseph Alexander von HELFERT, Die Wiener Zeitung im Jahre 1848, in: Zur Geschichte der kaiserlichen Wiener Zeitung 8. August 1703–1903, Wien 1903, 138 f. und 131.
(15) 1852 ernannte Kaiser Franz Joseph über Antrag seines Ministers für Kultus und Unterricht den Privatdozenten Rudolf Eitelberger zum ersten (außerordentlichen) Professor für Kunstgeschichte und Kunstarchäologie an der Universität Wien.
(16) Vgl. BORODAJKEWYCZ, Aus der Frühzeit der Wiener Schule der Kunstgeschichte, 336.
(17) Ebda, 335.
(18) Ebda.
(19) LENTZE, Die Unterrichtsreform des Ministers Graf Leo Thun-Hohenstein, 254. Zu den zentralen Vermittlern einer erfahrungsbezogenen Grundorientierung zählte auch Eitelberger.
(20) Vgl. Rudolf HALLER, Wittgenstein und die ‚Wiener Schule‘, in: Rudolf HALLER, Studien zur österreichischen Philosophie, Amsterdam 1979, 163-187. – Zur Kritik dieser Auffassung vgl. Barry SMITH, Philosophie, Politik und wissenschaftliche Weltauffassung. Zur Frage der Philosophie in Österreich und Deutschland, in: Grazer Philosophische Studien 58/59 (2000), 241-262.
(21) Vgl. Werner SAUER, Die verhinderte Kanttradition. Über eine Eigenheit der österreichischen Philosophie, in: Michael BENEDIKT, Reinhold KNOLL, Josef RUPITZ (Hg.), Verdrängter Humanismus, Verzögerte Aufklärung. Band 3: Bildung und Einbildung. Vom verfehlten Bürgerlichen zum Liberalismus. Philosophie in Österreich (1820–1880), Klausen-Leopoldsdorf [u. a.] 1995, 303-317.
(22) Vgl. Peter STACHEL, Leibniz, Bolzano und die Folgen: Zum Denkstil der österreichischen Philosophie, Geistes- und Sozialwissenschaften, in: Karl ACHAM (Hg.), Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften. Band 1: Historischer Kontext, wissenschaftssoziologische Befunde und methodologische Voraussetzungen, Wien 1999, 253-296, hier 288-292.
(23) Vgl. Karl PRIBRAM, Geschichte des ökonomischen Denkens. Band 1, Frankfurt/Main 1998, 123.
(24) Vgl. HÖFLECHNER, Die Auswirkungen politischer und kultureller Veränderungen auf Forschungsorientierung und Wissenschaftsorganisation, 164.
(25) Franz BRENTANO, Psychologie vom empirischen Standpunkt, hg. v. Oskar KRAUS. 2 Bände, Leipzig 1924–1925.
(26) Vgl. Franz BRENTANO, Grundzüge der Ästhetik. Aus dem Nachlaß hg. von Franziska MAYER-HILLEBRAND, Bern 1959, 54.
(27) Vgl. Theodor GOMPERZ, Ein Gelehrtenleben im Bürgertum der Franz-Josephs Zeit. Auswahl seiner Briefe und Aufzeichnungen 1869–1912, erläutert und zu einer Darstellung seines Lebens verknüpft von Heinrich Gomperz, hg. v. Robert A. KANN (Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Kl. 295), 72, 153, 222.
(28) Vgl. SAUER, Die verhinderte Kanttradition, 313.
(29) Zur Geschichte des österreichischen Positivismus und Neopositivismus aus philosophischem Blickwinkel: Gerhard SCHURZ, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, Logik und Sprache: der österreichische Positivismus und Neopositivismus und deren Umfeld, in: Karl ACHAM (Hg.), Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften. Band 6,1: Philosophie und Religion: Erleben, Wissen, Erkennen, Wien 2004, 227-298. – Aus soziologischem Blickwinkel nehmen zur Geschichte des österreichischen Frühpositivismus Reinhold KNOLL und Helmut KOHLENBERGER Stellung, vgl. DIES., Gesellschaftstheorien. Ihre Entwicklungsgeschichte als Krisenmanagement in Österreich 1850–1930, Wien 1994, 105-110.
(30) Vgl. Josef MAYERHÖFER, Ernst Machs Berufung and die Wiener Universität 1895, in: Clio Medica. Acta Academiae Internationalis Historiae Medicinae 2 (1967), 47-55, hier 52.

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