Sprachstandserhebung bei Schulanfängern: Bilingualer Spracherwerb in der Migration

Englische Interviews

Unterrichtsbeobachtung

Aufgrund organisatorischer Probleme war es nicht möglich, den Englischunterricht an allen sechs Klassen zu beobachten. Dennoch ließ sich bereits erkennen, dass es hinsichtlich der Qualität und Quantität des Inputs große Unterschiede gibt.

Spontanspracheinterviews

Die Schüler nahmen in den Spontanspracheinterviews die Rolle des Antwortgebers ein, wobei es sich bei den Äußerungen der Kinder neben nonverbalen Antworten vor allem um Bewertungen (yes/no) und Benennungen handelte. Was die Benennungen betrifft, ist zu erwähnen, dass sich eine starke Dominanz von Einwortäußerungen erkennen ließ. Einzelne Kinder waren jedoch auch schon im Stande einfache Kurzantworten (z.B.: it's a dog) zu geben.
Allgemein konnte festgestellt werden, dass zum Zeitpunkt der Testerhebung beim Großteil der untersuchten Kinder nur geringe Unterschiede hinsichtlich der sprachlichen Kompetenz im Englischen zu beobachten waren. So konnten bis auf drei Schüler alle Kinder zumindest ein paar verschiedene Farben (v.a. Ampelfarben), Tiere (v.a. Haustiere) und Körperteile (Nase, Hand) benennen. Auf die Frage "What's your name?" konnten alle Kinder antworten (my name is…).
Hinsichtlich der Unterschiede in der Sprachkompetenz im Englischen, schien keine Abhängigkeit vom Schulstandort feststellbar zu sein. Vielmehr zeigten sich in jeder einzelnen der untersuchten Klassen Unterschiede. Überraschend war dabei vor allem die Tatsache, dass in jener Klasse, in der der Englischunterricht von einem Native Speaker geleitet wird, sowohl das Kind mit der höchsten als auch das Kind mit der geringsten sprachlichen Kompetenz in Englisch zu finden war. Erklärungen für diese Variationen sind einerseits die Größe der Klasse (mehr als 20 Kinder) und die heterogene Klassenzusammensetzung hinsichtlich der sprachlichen Startbedingungen und andererseits die Tatsache, dass einzelne Kinder auch außerhalb des Unterrichts (Videos, Bekannte) mit der englischen Sprache in Kontakt kommen

Der folgende Interviewausschnitt sollte als Beispiel für die Unterschiede in der Sprachkompetenz im Englischen innerhalb einer Klasse dienen:

*INV: hello what's your name?
*KC3: my name is Marie.
*INV: hello.
*INV: hi, and what's your name?
*KC2: my name is Elias.
*INV: how are you Elias?
*KC2: # huh?
*INV: how are you?
*KC2: # huh?
*INV: how are you, Marie?
*KC3: # hm # obs mir gut geht?
*INV: ja, wies dir geht.
*INV: wie geht's dir heißt how are you.
*KC3: mir geht's gut.
*INV: mir geht's gut.
*INV: i am fine kann man sagen, i am fine.
*KC3: i am fine.
*INV: Elias, do you know what that is?
*KC2: ein Hund.
*INV: ein Hund, and do you know what it's in English?
*KC2: weiß ich nicht.
*INV: do you know what that is in English?
*KC3: it's dog.
*INV: it's a dog, exactly.
*INV: and how many dogs do you see in this picture, how many?
*KC2: ##.
*KC3: three.
*INV: three dogs, exactly.
*INV: Elias, do you know what colour the dog is, what colour?
*KC2: hm col ##.
*INV: can you help him Marie?
*KC3: it's brown.
*INV: it's brown, exactly.
*INV: and do you know what colour this is?
*KC2: brown.
*INV: yes the dog is brown, and this is?
*KC2: gelb.

Bei diesem Interview handelt es sich um ein Gespräch mit zwei Kindern gleichzeitig, wobei KC3 vergleichsweise hohe und KC2 vergleichsweise niedrige Kompetenz im Englischen zeigt.